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  • T.G.i.F.

    Die erste Statistik, welche mir Anfang der Woche um die Ohren gehauen wurde, besagte, ein Großteil der Frauen stelle sich den idealen Mann als Müll-runter-bringende-Kreditkarte vor. Unser junger Kollege gab sich daraufhin alle Mühe, diesem Idealbild zu entsprechen, um auch endlich mal ein Lob der ihn drangsalierenden nicht-aus-ihrer-Mutti-Haut-könnenden Kolleginnen zu erhaschen. Hat uns leider nicht vom Hocker gerissen. Vom Hocker gerissen hat mich dann was ganz anderes. Bactus unbekanntus. Aber hier jammere ich nicht. Auch wenn es diesmal jammern auf angemessenem Niveau wäre. Schliesslich habe ich dieserhalb massig galante bunte Lektüre im Spiegel genossen. Ihr dürft Euch also nächster Tage auf eine neue Regenbogengeschichte freuen. Wird auch Zeit. Wo ein Regenbogen umständehalber schon in die Tonne gekloppt wurde. Wegens dieser Zeit, die nach wie vor "the time to wonder" ist. Was mich zu dämlichsten Assoziationsketten führt, die mir auf dem couchigen Kissenberg so in den krausen Sinn kommen. I wonder, a fish named Wanda, Wanda, Towanda, die Rächerin der Enterbten und ungerecht Behandelten. Falls noch jemandem was naheliegendes einfällt, jawoll ja, genau das dachte ich auch. Ist mir hier aber jetzt zu blöd. Welttoilettentag war, wurde ich aber erst drauf hingewiesen, nachdem eine erste philosophische Ausarbeitung des Verhältnisses von Klorollen und Menschen sich auf dem Blog-Block fand. Könnte eine spannende Reihe werden, da die andere aus dem Verkehr gezogene Ruhrpott-Bloggerin sich derweil mit Assoziationsketten zu Rollenspielen auf dem Klo beschäftigt.Angie, uns bekommt das Nichtstun nicht! Oder es liegt an der Luft.
    Macht Euch keinen Kopp, so schlimm, wie ich mich anhöre, geht es mir nicht. Schliesslich werde ich gleich von drei Männern verwöhnt. Von einem mehr,
    von zweien weniger.

    Zahl der Woche: K57.32
    Wertverlust der Woche: Fragt Rolline oder eine der Wandas....
    Satz der Woche: Anscheinend sind wir zwei hier die einzigen Überlebenden.
    Lass uns flüchten.

    Allen ein schickes Wochenende.
    Flüchtet Euch nirgendwo hin, wohin ich nicht auch flüchten würde!

  • Winterblues oder der Abschied vom Sanddorn-Duschgel!

    Jedes Jahr aufs neue nimmt man sich vor, tapfer zu sein. Tapfer das trübe Grau des Ruhrpott-Himmels zu ignorieren. Tapfer dem Tagesablauf jede nur mögliche Stunde Tageslicht abzutrotzen. Deckt sich tapfer in der Buchhandlung mit jeder Menge Lesestoff ein, dekoriert die Wohnung stimmungsvoll, kauft jede Menge wundervoll duftender Kerzen. Aller Tapferkeit zum Trotz - irgendwann kommt er. Der Moment, in dem alle Tapferkeit zum Teufel geht und man ihm machtvoll erliegt. Dem Winterblues.

    Mich ereilte dieser Moment heute morgen in der Dusche.
    Gegen Ende des Sommers besuchte mich meine Freundin. Die Brittanierin aus dem hohen Norden. Sie brachte mir ein Geschenk mit. Duschgel, Shampoo und Körperlotion. Nicht irgendein Duschgel, Shampoo und Körperlotion. Sie brachte es mit von der Insel des Lichts, auf der sie kurz vor ihrem Besuch bei mir noch weilte. Es duftete nach Sandkorn, nach Meer, nach Licht, nach Sommer. Heute morgen war es am Ende. Keine noch so geschickte Verlängerungstaktik wollte greifen. Seitdem hat er mich im Griff, der Winterblues. Trübe starre ich auf die grauen Tropfen, die draussen unablässig pläddern. Trübe starre ich auf meine verwelkten Hortensien und die gelben Blätter, die den Rasen bedecken. Traurig schnüffele ich an meinem Arm, einen letzten Hauch Rügener Sanddorn einfangen und warte mißmutig auf die Dunkelheit.
    Vielleicht hilft mir ja das Must-have der Blogmafia, die Feuerkugel, in den Flammen den Sommer, die Sonne, die Leichtigkeit wiederzufinden.

    Und ganz bestimmt hilft mir der prima Reisegutschein des kanarischen Tourismusverbands, den ich für diesen unglaublich hochwertigen und kreativen Eintrag gewinnen werde. Denn für nix anderes habe ich das hier schliesslich geschrieben.
    Ich sage NEIN zum Winterblues!
    Ich nehm auch meinen kleinen Freund mit auf die Kanaren und poste jede Menge hochwertig bebilderter Grüsse an Euch.

  • Kirchentag in Hannover ?

    Oder was war das da gerade? Trauerfeier anno 2009? Hallo? Geht's noch?
    Da hat man ja selbst Lady Di oder M.J. würdevoller verabschiedet. Der Sarg mitten auf dem Fußballfeld? Wenn Enke das gewusst hätte, wäre dies wahrscheinlich das probateste Mittel gewesen, ihn von seinem Selbstmord abzuhalten. Und was, bitte schön, denken die sich erst aus, wenn Franz Beckenbauer dereinst das Zeitliche segnen sollte? Wenn ich Franz Beckenbauer wäre, würde ich schleunigst schriftlich, notariell beglaubigt, verfügen, was in diesem Fall zu tun oder besser auf gar keinen Fall zu tun wäre. Mich schütttelt's.

  • T.G.i.F.

    Freitag, der dreizehnte. Dem Rupi sein Glückstag. Hatten wir überhaupt schon einen dieses Jahr? Ich glaub nicht. Egal, ist auch Euer Glückstag. Mir ist es nämlich zu grau. Grauer Himmel, grauer Schnodder, graue Stimmung allenthalben. Grau auch die Erkenntnis, dass Niedertracht oftmals mit Dilettantismus einhergeht. Deshalb werde ich konsequent alles Graue beseitelassen und nur von den Lichtblicken der Woche berichten.

    Erster Lichtblick die glöcklichen Männerherzen. Noch dazu, wo der Junior in der Werbung die Vorschau der gefühlt 191sten Verfilmung von Fame sah. "Endlich wieder ein Film,wo man gut mit Mädchen reingehen kann "Go, and make it for heaven........"
    Zweiter Lichtblick: Ein Workshop. Ist das zu fassen? Noch dazu in Andersland.
    Eine Referentin namens Joyce, die ihrem Namen gerecht wurde und Freude mitbrachte. Nette Teilnehmer, die uns herzlich aufnahmen. Als Sahnehäubchen praktische Übungen, die mal wirklich Sinn machen. Geht doch.
    Dritter Lichtblick: Natürlich das grandiose Hermann van Veen Konzert. Der ewige Gaukler aus dem kleinen Königreich am Meer, der die Seelen berührt. Gar nicht hoch genug kann man ihm anrechnen, dass mit ihm ein Mann auf der Bühne steht, der sich aus dem grauen, wabernden, lähmenden Nebel bewegt, sich weiterentwickelt, sich nicht auf alten Lorbeeren ausruht und seinen Zuhörern immer neue Denkanstöße gibt.

    Heute nachmittag droht der halbjährliche "Parents-Laber-Day" und damit mir gerade an diesem labilen Datum die Lichtblicke nicht ausgehen, werde ich mich anschließend belohnen und meine neue killerqueeneske Brille abholen.

    Zahl der Woche: 1000
    Satz der Woche: Ich finde Menschen generell nicht gut.
    Prophezeiung der Woche: So 'nem Schlämpchen wird schnell langweilig.
    Frage der Woche: Wo ist die Schweinegrippe, wenn man sie mal braucht?
    Verabschiedung der Woche: Wenn Sie heute abend nach Hause fahren, fahren Sie durch die Böschung. Auf den Strassen passiert zuviel.

    Allen ein schickes Wochenende.
    Belohnt Euch mit nichts, womit ich mich nicht auch belohnen würde.

  • Und er geht und er singt

    immer noch. Und immer noch einzigartig, unverwechselbar, wunderschön.
    Noch immer trägt er einen schwarzen und einen weißen Schuh, einen schwarzen Hut, an dem Luftballons schweben, verwandelt die Bühne mit Unmengen PingPongBällen in eine Traumlandschaft und zaubert Sternenstaub aus seiner Hosentasche hervor.
    Hermann van Veen gestern abend im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen.

    11.11.09, HvV in RE

    Der Harlekin aus dem kleinen Königreich am Meer - immer noch gibt es keine Schublade, in die er passt. Liedermacher, Gutmensch, all diese Plattitüden, sie greifen zu kurz. Dafür ist sein Stil zu speziell, zu eigenwillig, auch zu harlequinesk. Gestern abend erlebte ich ihn nach langer Zeit wieder live. In den letzten Jahren war er (leider, wie ich heute sage) aus meinem Blickfeld verschwunden. Dabei gehörte sein Liedgut seit meiner Kindheit zu meinem Leben. Nicht nur der legendäre Alfred Jodokus Quack brachte ihn mir nahe. Die grenznahe Stadt, in der ich groß wurde, war (bis heute) immer die erste Station seiner Tourneen. Im Sommer durchforstete ich meine alten Musik-Kassetten und fand dabei eine, auf der ich dareinst ein Live Konzert auf Radio Hilversum aufnahm. Diese Cassette begleitete damals meine Freundin und mich auf unseren ersten Urlaubsreisen ohne Eltern. Die Wehmut, die mich ergriff, veranlasste den kreativen Geist des Hauses, mir die Karten fürs gestrige Konzert zu schenken und ich hab es sehr genossen. Wie ausnahmslos auch das übrige Publikum im bis auf den letzten Platz ausverkauften Ruhrfestspielhaus. Zwar sind nach van Veens eigener Statistik 53 Prozent seines Publikum mittlerweile verstorben, aber der Rest, der Glück gehabt hat und noch lebt, erklatschte gestern unermüdlich unzählige Vorhänge und fünf Zugaben von dem mittlerweile 64jährigen
    (Zitat: wenn man es in Celsius umrechnet, sind es nur 17).

    Mit seiner Musik und der ihm eigenen lyrischen Wort-Jonglage nahm er uns Zuschauer mit auf eine Reise durch sein Leben, durch das Leben. Mit emotionaler Tiefe erzählt er von den Kleinigkeiten im Leben, dem vermeidlich Belanglosem, nebensächlichen Eindrücken, der Unvollkommenheit eines Moments. Er spielt mit den Worten, bringt sie in neue Zusammenhänge. Immer in Kombination mit einer humanen, leise kritischen Weltsicht, die aber auch nie verlernt hat, diese unsere einzige Welt durch Kinderaugen zu betrachten. Diese heitere Melancholie, diese lächelnde Wehmut - das kann keiner so
    wie er. Großartige Unterstützung die Musikanten an seiner Seite. Seit 45 Jahren, seit einer Zeit, in der "Afghanistan noch Vietnam hiess", an seiner Seite der Pianist Erik van der Wurff, ein Musiker durch und durch. Begeisterungsstürme erntete auch die Gitarristin Edith Leerkes, die mit ihrem virtuosen Spiel dem Konzert eine ganz besondere, zusätzliche Note verlieh. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Jannemien Cnossen und Dorit Oitzinger, die beiden schönen Violinistinnen, die den Gesamteindruck gekonnt unterstützten und abrundeten.

    (Nicht immer übrigens begnügt sich Hermann van Veen mit der Rolle des leisen Kritikers. Derzeit steht er unter Polizeischutz, weil er zum 9. November einen offenen Brief schrieb, in dem er Angst davor äußerte, dass die Partij voor de Vrijheid (PVV) sich in Richtung der Nationaal-Socialistische Beweging (die mit Hitler kollaboriert hatte) entwickeln könnte. Daraufhin erhielt er ungezählte Drohungen und Beleidigungen . Auf seiner Website bezieht er dazu ausführlich Stellung.)

    Mein lieber Sohn, vielen Dank. Das war eine tolle Idee. Es war ein schöner Abend. Es war schön, dass Du dabei warst und es war noch schöner, dass es Dir auch so gut gefallen hat. Dir und allen anderen die van Veensche Verabschiedung:
    Schlafen Sie gemütlich !

  • Für meinen Co-Autor

    zur mentalen Vorbereitung auf den heutigen Abend.

  • Der Mantel des Schweigens!

    Gedanken nach dem 9. November.

    Der 9. November ist immer ein Tag, der mich nachdenklich macht.
    Drei entscheidende Ereignisse machten diesen Tag zum gerne beschworenen Schicksalstag der Deutschen. 1989 noch danach empfand ich den Jubel als eine Art Katharsis dieses Datums. 20 Jahre danach ist von der Aufbruchsstimmung nichts mehr zu spüren. Ein grauer Nebel, eine Lähmung liegt über diesem Land.
    Wenn ich mich dieser Tage umschaue in deutscher Medienlandschaft, ich sehe nur den Mantel des Schweigens. Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass dieser Mantel mittlerweile über die ganze Republik gebreitet ist. Political correctness - das Schlagwort unserer Tage. In den Medien, in den Schulen, im privaten Bereich und selbstredend in der Politik. Political correctness - ein gerne genommener Vorwand, grausame Wahrheiten nicht ausspechen zu müssen, ja nicht ans Licht kommen zu lassen. Wer sprengt denn noch die Grenzen des gepflegten Desinteresses und der tief empfundenen Gleichgültigkeit, das in unserem Land als Toleranz firmiert? Kann man Mißstände benennen, die Wahrheit sagen, ohne zu verletzen? Kann sein, dass man das kann. Aber muss man das auch? Unserer Gesellschaft scheint etwas vorzuschweben wie ein moderierter Diskurs, in dem jeder Inhalt sich der Etikette zu beugen hat. Redefreiheit scheint es nur noch im Rahmen dessen zu geben, was man hören möchte. Wer dagegen verstößt, schnell droht Berufsverbot, Strafrecht, gesellschaftliche Ächtung.
    Ist der Zusammenhang zwischen Redefreiheit, Meinungsfreiheit und Demokratie überhaupt noch jemandem bekannt? Ich glaube nicht. Watteweich schwebt unsere Demokratie dahin, gefährdeter denn je. Manchmal denkt man, ein kleiner Pieks genügt und puff - die Luft ist raus. Alles wird ummäntelt, in Watte gepackt, entschuldigt, besänftigt und gerettet. Wer von dieser Watte erstickt wird, er hat keine Stimme in diesem Land, er hatte sie nie. Ein anomymer konturloser Schleim wabert durch die Lande, eine verallgemeinerte Autorität. Je nach Bedarf winden sich konturlose Gestalten aus diesem Schleim, verkünden Verdikte, gegen die keine Berufung eingelegt werden kann. Wir haben auch deshalb so viele Vordenker, weil keiner sich mehr die Mühe des Nachdenkens macht. So werden wir sie zu Grabe tragen. Die Gedankenfreiheit, die Meinungsfreiheit, für die vor 20 Jahren noch so vehement gekämpft wurde.
    "Die Freiheit des Andersdenkenden ist immer auch unsere Freiheit" *
    Diese Wahrheit - sie ist heute gültiger denn je.

    Nachsatz: Jedes Jahr am 9. November werde ich belehrend tätig, da den Wenigsten die Schicksalsdaten im Einzelnen geläufig sind. Dass ich mir die kleine Lehrstunde in diesem Jahr zumindest in Bloglanden sparen kann, dafür hat dankenswerterweise Einhard
    hier gesorgt.

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